Anzucht des Frauenmantels : Umfassende Übersicht

In diesem Artikel gehe ich auf ausführlich auf die Anzucht des Frauenmantels ein. Zudem schreibe ich über dessen Anwendungen. 

Bespreche die Verwendung von entsprechenden Präparaten stets mit deinem Arzt oder einer anderen Fachperson.

Hast Du im Garten oder auf dem Balkon auch die Heilpflanze Frauenmantel (lat. Alchemilla vulgaris L.) ? Die Pflanze mit ihren speziellen Blättern und unscheinbaren Blüten sieht nicht einmal essbar aus. Doch  Blätter, Triebe und Blüten des Frauenmantels sind dies und haben einen angenehmen leicht bitter-säuerlichen Geschmack. Am besten schmecken die noch jungen Blätter. Die Anwendung von Frauenmantel beinhaltet zudem gesundheitliche Aspekte. Wie du die Medizinalpflanze  für diesen Zweck anbaust und für was du die verschiedenen Arzneien verwenden kannst, erfährst du in diesem Artikel.  

Zuallererst: Wie geht die Anzucht des Frauenmantels? 

Anzucht des Frauenmantels

Der Frauenmantel ist ein Licht -und Kaltkeimer

Lichtkeimer benötigen für die Entwicklung Sauerstoff, Feuchtigkeit und Licht. Bestimmte Proteine in der Pflanze reagieren auf Licht und geben den Impuls zum Keimen, daher hemmt Dunkelheit die Keimung. (Wollherr, 2020) 

Frostkeimer sind Pflanzen, welche eine Kälteperiode benötigen, bevor sie keimen können. Dies basiert auf dem Zusammenspiel von Hormonen und stellt sicher, dass die Pflanze genügend Zeit hat vor dem nächsten Winter zu einer stattlichen Grösse heranzuwachsen. Deshalb solltest du die Samen bereits im Herbst resp. Winter davor säen.

Der Tipp mit dem Kühlschrank

Falls du etwas zu spät dran bist, kannst du die Samen auch für einige Tage in den Kühlschrank tun, um die Kälteperiode zu imitieren. (Saflax) (Botanik Sämereien AG)

Fülle dazu die Samen mit etwas feuchtem Aussaatsubstrat in einen Plastikbeutel. Als erstes stellst du diesen für 2 bis 4 Wochen an einen warmen Ort (ca. 20°C) auf. Danach kommt das Ganze für die Zeit der Keimung in den Kühlschrank (5°C). Überprüfe die Samen wöchentlich. Sobald du eine Keimung feststellen kannst, kannst du die Sprösslinge in Töpfe umpflanzen.

Wie vermehrt man am besten den Frauenmantel?

Da das Frauenmantelkraut aber an etlichen Stellen zu finden ist, ist wohl das Umtopfen eine bessere Methode. Möchtest du trotzdem die Pflanze von Grund auf selber ziehen, so rechne mit einer Keimdauer von  sechs bis zwölf Tagen. Hier musst du noch die Wartezeit von Herbst bis Frühling einrechnen, den der Frauenmantel ist ja wie gesagt ein Frostkeimer, besser gesagt eine Kombination zwischen Licht, -und Frostkeimer. 

Anzucht des Frauenmantels

Was bedeutet dies nun für die Anzucht? 

So gelingt die Anzucht des Frauenmantels

Im Freien kann die Aussaat bereits zwischen Oktober und Januar beginnen (Kaltkeimer). Streue dazu die Samen auf die Erde in einem Topf. Stelle diesen dann an einer geschützten Stelle, die aber trotzdem hell ist, auf. Die Erde sollte nicht austrocknen. Es darf sich aber auch keine Staunässe bilden. Dies kannst du damit erreichen, dass du das Anzuchtgefäss mit Klarsichtfolie mit Löchern abdeckst, die du alle zwei bis drei Tage für 2h entfernst. Sonst kann sich Schimmel bilden. Dann, im Frühling, können die nun kleinen Pflanzen in den Garten umgepflanzt werden. (Saflax, Botanik Sämereien AG) 

Welche Erde braucht die Alchemilla?

Bezüglich der Erde habe ich im Internet verschiedene Angaben gelesen.

Die meisten Arten bevorzugen eher feuchte Böden, die nährstoffreich und durchlässig sind. Lavangranulat oder Quarzsand sind hilfreiche Substratzusätze, um der nicht erwünschten Staunässe vorzubeugen (Roth).

Hast du keinen Garten sondern „nur“ einen Balkon, so achte auf genügend grosse Töpfe. Die Alchemilla bildet ein Rhizom aus, dass viel Platz benötigt.

Die Heilpflanze Frauenmantel kann am besten via Teilung der Wurzelstöcke vermehrt werden.

Hast du jemanden, der auch gerne die Medizinalpflanze Alchemilla vulgaris im Garten oder an einem anderen Standort möchte, dann gehst du am besten via Teilung der Wurzelstöcke vor. Dies solltest du im Frühling tun. Die Wurzeln der Pflanze sine eher fein, weshalb du darauf achten solltest, dass diese nicht beschädigt werden. Daher machst du die Teilung am besten mit den Händen. (Becker)

Rückschnitt

Nach der Blüte, der Frauenmantel blüht ca. von Mai bis September, solltest du die Pflanze bis knapp über dem Boden zurückschneiden. Sonst sät sich der Frauenmantel selbst aus und würde sich sehr stark ausbreiten. Auch kann die Pflanze dann wieder schöne Blüten ausbilden (Thiele, 2021). Die Pflanze ist mehrjährig. 

Rhizom

Da die Alchemilla ein Rhizom ausbildet, ist es wichtig genügend grosse Töpfe zu nehmen. Ein Rhizom ist ein meist unterirdisch oder dicht über dem Boden wachsendes Sprossachsen System. Es wächst horizontal und nimmt viel Platz ein. 

Anwendungen des Frauenmantels

Im Volksmund werden der Alchemilla etliche heilende Wirkungen zugeschrieben, dies von den genannten Frauenleiden bis hinüber zu Blasenentzündungen. 

Es gibt einige Studien zu den Wirkungen der Alchemilla vulgaris. So haben S. Takir und seine Kollegen im Jahre 2015 eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf System entdeckt. 2018 wurde eine nächste Studie publiziert. Es wurden folgende Wirkungen als für sehr gut möglich beschrieben: antioxidativ, antibakteriell, antifungal und entzündungshemmend (Thiele, 2021).

Im Kompendium habe ich eine Anwendung als Vasoprotektiva (gefässschützend) gefunden. Dies basierend auf einer homöopathischen Wirkung. 

Inhaltsstoffe und derer Eigenschaften

Die Anwendungen des Frauenmantels basieren auf dessen Inhaltsstoffen. Im Frauenmantel findet man folgende:

5-8% Gerbstoffe, v a. Ellagitaninne mit dem Hauptinhaltstoff Agrimoniin und daneben noch Laevigatin F., Pedunculagin. Auch findest du 2 bis 2.5% Flavonoidglykoside. Das Agrimoniin ist eine sehr grosse Struktur. Schau sie Dir doch mal auf Google an. 

Da die Gerbstoffe die Hauptinhaltsstoffe sind, fokussiere ich mich auf deren Eigenschaften.

Was sind Gerbstoffe?

Es gibt verschiedene Arten von Gerbstoffen. Sie sind wasserlöslich, schwach sauer reagierend sowie phenolisch. Das Anwendungsgebiet der Gerbstoffdrogen (Droge steht hier für die verwendete Pflanze) sind unspezifische Durchfälle, Entzündungen des Mund -und Rachenraumes, Entzündungen des Genital -und Analbereiches.

Anwendung von Frauenmantel nach ESCOP und Kommission E

Der Frauenmantel wurde vom HMPC (Herbal Medicinal Product Committee) bisher nicht bearbeitet. Das ESCOP European Scientific Cooperative on Phytotherapy sieht es als wirkungsvoll bei unspezifischen Durchfällen, bei Magen-Darm-Beschwerden und bei Menstruationsschmerzen. Diese Anwendungs­gebiete stützen sich auf Erkenntnisse der langjährigen Anwendung am Menschen. Die Kommission E vertritt eine Wirkung bei leichten, unspezifischen Durchfallerkrankungen (Drogenmonographien: ESCOP (2013), Kommission E (1986))

Als arzneilich genutzter Pflanzenteil gilt das gesamte Kraut (Alchemillae herba), also Blätter und Blüten, die man für den Eigenbedarf auch selbst sammeln kann. Das Trocknen sollte schnell an einem geschützten Ort erfolgen, zum Beispiel auf dem Dachboden. Eine Verwechslung mit anderen Pflanzen oder gar Giftpflanzen ist wegen der charakteristischen Blätter unwahrscheinlich. Konsultiere hier aber bei Unsicherheit eine Fachperson.

Spezifischere Anwendungen von Frauenmantel

Infus

Ein Infus ist ein Aufguss aus zerkleinerten, mit kochendem Wasser übergossenen und anschließend aufgekochten Pflanzenteilen. Du kannst einen Infus auch zu einem Sitzbad dazugeben

Tinktur

Eine Tinktur kannst du herstellen, indem du das zerschnittene Kraut in ein verschließbares Gefäß gibst, dieses mit min 45%igem Alkohol füllst und dann drei bis vier Wochen stehen lässt.

Tee

Am besten du verwendest 2 bis 3 Teelöffel des Krautes welches du mit 150mL kochendem Wasser übergießt. Dann zehn Minuten ziehen lassen. Anschließend durch ein Teesieb geben und je nach Geschmack z. B. mit Honig süßen. 3-4 mal täglich zwischen den Mahlzeiten 1 Tasse frisch zubereiteten Frauenmanteltee trinken.

Aufguss zur inneren Anwendung

Ein bis zwei Gramm zerkleinertes Kraut mit heißem Wasser übergießen, zehn Minuten stehen lassen, abseihen. Zwei bis drei Tassen zwischen den Mahlzeiten trinken, die mittlere Tagesdosis beträgt fünf bis zehn Gramm.

Kaltauszug

Ein Kaltauszug stellst du so her, dass du die Krautteile für eine lange Zeit in kaltem Wasser stehen lässt. Dies ist schonend, dauert aber lange.

Weitere Anwendungsformen

Als Badezusatz / Sitzbad

Anwendung von Frauenmantel in der TCM

Auch die Homöopathie macht Gebrauch von dieser Arzneipflanze und in der TCM wird sie aufgrund der Bitterstoffe dem Feuer-Element zugeordnet.

Die Pflanze ist thermisch kühl und wirkt daher auch innerer Hitze entgegen. Deshalb hilft der Frauenmantel bei Stagnationen der Leber-Energie und damit den weiblichen Zyklus oder bei Menstruationsbeschwerden. Da der Frauenmantel stark tonisierend wirkt und die Blutbildung sowie das Yin generell unterstützt, ist er auch bei Wechseljahrbeschwerden sehr nützlich.

 

Anwendung des Frauenmantels: Tee

Im Gegensatz zur westlichen Handhabung rät die TCM vom Gebrauch bei Schwangerschaft ab. Dies aufgrund ausleitender Eigenschaften (Mandl, 2020).

Welche Arten von Frauenmänteln gibt es?

Neben dem gemeinen resp. spitzlappigen Frauenmantel, welcher hier behandelt wird, gibt es noch ca. 1000 weitere dazugehörige Arten welche wahrscheinlich durch Bastardisierung entstanden sind. Die Entstehung von Nachkommen mit genetisch verschiedenen Eltern bezeichnet man als Bastardisierung. So gibt es zum Bsp. den Bastard-Frauenmantel, welcher sich aufgrund seiner geringen Größe und dichten Behaarung von den anderen Alchemilla-Arten unterscheidet (Wikipedia).

 

300 der 1000 Arten sind in Europa heimisch. Einige Beisiele davon sind der zierliche Frauenmantel (Alchemilla epipsila), der Zwerg-Frauenmantel (Alchemilla erythropoda), der Filzige Frauenmantel und der Silber-Frauenmantel (Alchemilla hoppeana).

Solche mit einem grauen Flaum werden auch Silbermantel genannt. Man findet sie hier in der Schweiz vorwiegend in den Alpen. 

Botanische Eigenschaften des Frauenmantels

  • Ausdauernde Pflanze
  •  
  • Blätter groß, gelappt, mehr oder weniger stark behaart
  •  
  • Langgestielt
  •  
  • Blüten winzig, gelbgrünlich, ohne Kronblätter mit lang gestielten Blütenständen
  •  
  • Diese sind aufrecht oder niederliegend

Guttationstropfen

Besonders am Frauenmantel ist, dass die Blätter von einer wasserabweisenden Wachsschicht überzogen sind. So kann man oft große Wassertropfen daran abperlen sehen. Diese entstehen durch Guttation, d. h., die Pflanze scheidet in den Blattzahnwinkeln aus sogenannten „Wasserspalten“ oder Hydathoden aktiv Wasser aus, um den Nährstofftransport aus den Wurzeln konstant zu halten. Das abgegebene Wasser sammelt sich oft in der Blattmitte.                 

Die durch Guttation entstehenden Wassertropfen, welche man hauptsächlich am frühen Morgen sieht, waren Ausgangspunkt für viele Interpretationen. Aus den Guttationstropfen wollten die Alchemisten zum Bsp. ein Elixier herstellen (Holzmann)

Welche Nachbarn hat der Frauenmantel im Garten gern?

Der Frauenmantel eignet sich als Bodendecker. Die Arten haben Höhen von 15 bis 50 cm. Je nach Art brauchst du dazu sechs bis zehn Pflanzen (OBI Redaktion, 2022). Der Silbermantel Alchemilla hoppeana wird nur bis 15 cm hoch und eignet sich daher besonders gut als Bodenecker.

Als Nachbarn eignen sich generell Arten, welche gleiche oder ähnliche Ansprüche haben. So etwa Schafgarbe, Storchschnabel oder Begonien. Vergissmeinnicht oder Lavendel geben mit ihren violett- blauen Blüten einen schönen, optischen Kontrast (Thiele, 2021).

Falls Du noch mehr wissen möchtest:

Die Herkunft der Gattung Frauenmantel

Die Gattung Frauenmantel wurde von Carl von Linné, (Von ihm stammt das L. im lateinischen Namen) im Jahre 1753 in seinem Werk „Species Plantarum“ aufgestellt. Die erste außereuropäische Art wurde ca. 40 Jahre später von Thunberg entdeckt. Es war die Alchemilla capensis (Alchemilla capensis Thunb.) Fundort war Südafrika (Wikipedia).

Die Bedeutung dieser Pflanze

Die Alchemilla vulgaris L. wird unter anderem als Alchemistenkraut bezeichnet. „Alchemilla“ steht für die Alchemisten, dass waren quasi die Chemiker der älteren Zeiten, und „vulgaris“ bedeutet gewöhnlich, alltäglich, allbekannt, gemein.  Der zudem verwendete altdeutsche Name „Sinnau“ oder „Sinntau“ setzt sich aus „sin“= beständig, fortwährend und „Au“ = Wasser oder Tau zusammen. Geht man in der Geschichte noch weiter zurück, so findet man den Namen „Löwenfuß“ sowie „Herba Leontopodii“, da die Blattspreite an den Abdruck einer Löwentatze erinnert.

Frühere Annahmen über die Pflanze Frauenmantel

Pedanios Dioskurides, ein griechischer Pharmakologe des ersten nachchristlichen Jahrhunderts, sah die Pflanze als gut für eine bessere Fruchtbarkeit. Im Mittelalter setzte man die Alchemilla auch als Verhütungsmittel ein. Die Vermutung für diese Verwendung beruhte wahrscheinlich auf der zusammenziehenden Wirkung der Gerbstoffe. 

Weiter geht es zum altbekannten Paracelsus. Dieser kannte das Kraut als Knochen- und Wundheilmittel und wahrscheinlich kennst du auch den Schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle. Er sah den Frauenmantel wiederum als hilfreich bei Kinderwunsch (Weitere Literatur).

Ich hoffe dieser Artikel hat dir einen guten Einblick  zur Anzucht  des Frauenmantels und dessen Anwendungen gegeben. 

Literatur

Becker, E.: „Frauenmantel Pflege, Standort, Vermehrung & Überwintern

Botanik Sämereien AG: „Frauenmantel Samen“

Roth, L.: „Frauenmantel: Heilkraut mit besonderen Merkmalen“

Spektrum: „Halbrosettenpflanzen“

Weitere Literatur

Greiner K.; Weber A.: Magie und Heilkraft der Frauenkräuter. Mosaik Verlag München (1999)

Fischer-Rizzi, S.: Medizin der Erde. Wilhelm Heyne Verlag. München (1999)

Kalbermatten, R.: Wesen und Signatur der Heilpflanzen. AT Verlag (2010)

Knell, A.: BlütenSeelen – Energieessenzen aus bayerischen Wildkräutern. Schwedhelm Verlag (2010)

Kroeber, L.: Das neuzeitliche Kräuterbuch. Hippokrates-Verlag. Stuttgart-Leipzig (1934)

Kruse, B.-J.: Die Arznei ist Goldes Wert – Mittelalterliche Frauenrezepte. Walter de Gruyter. Verlag Berlin (1999)

Künzle, J.: Das große Kräuterheilbuch, Unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1945, Patmos Verlag (2006)

Rippe, O.; Madejsky, M.: Die Kräuterkunde des Paracelsus, AT Verlag (2009)

Storl, W.-D.: Kräuterkunde. Aurum Verlag. Bielefeld (2011)

Tabernaemontanus, Jacobus Theodorus: Neu vollkommen Kreuterbuch. Reprint Konrad Kölbl der Ausgabe von 1731

Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart (2009)

Willfort, R.: Gesundheit durch Heilkräuter, Rudolf Trauner Verlag Linz (1973)